Labyrinth der Geschichtenende
Diese Geschichte liegt an eine unwirkliche Grabung, es ist eine Fiktion.
Die Fortsetzung des Geschichtlichen Labyrinths wurde durch ein unvorhergesehenes Ereignis unterbrochen. Bei den Rekonstruktionsarbeiten stieß man am tiefsten Punkt der Höhlenlabyrinthe auf ein Urgestein, das menschliche Fußspuren zeigt. Nach der zeitlichen Bestimmung des Gesteins begannen auf dem gesamten Gebiet des Höhlensystems fieberhafte archäologische Forschungen, beziehungsweise dank der genauen geologischen Lokalisierung kam es zu erfolgreichen Ausgrabungen auch an anderen Punkten der Budaer Berge.
Die Ausstellung, die die bisherigen Ergebnisse zusammenfaßt, und die zahlreichen Abdrücke der laufenden Ausgrabungen scheinen die erste Annahme zu bestätigen: Der im Labyrinth der Budaer Burg gefundene Fußabdruck stammt nicht vom Homo sapiens oder von irgendeinem Vorläufer, stammt also nicht aus unserer Welt, aus unserer Zivilisation.
Die Budaer Funde sind ausnahmslos in der Trias, in der erdgeschichtlichen Neuzeit (Kainozoikum) entstanden, und da im sogenannten Eozän. Es handelt sich zum größten Teil um die Überreste einer vor mindestens 42 Millionen Jahren auftauchenden und spätestens in - vermutlich - im Verlaufe der Meeresüberflutung im Oberen Eozän vor etwa 38 Millionen Jahren untergehenden Zivilisation, zum größten Teil um Gebrauchsgegenstände, um Abdrücke sogenannter Konsum-Idole. Funde, die auf geistige Tätigkeit, auf Kultur, Kunst, Religion hindeuten, sind bei den bisherigen Ausgrabungen nicht einmal ansatzweise zum Vorschein gekommen. Aus dieser Besonderheit stammt die anthropologische Bestimmung des bisher unbekannten Menschen: Homo consumus (H.c.).
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Aus den uns bisher zur Verfügung stehenden Erkenntnissen kann man keine Phylogenese des Homo consumus ableiten. Zahlreiche Forscher vermeinen eine Urbasis des Homo consumus wie auch des Homo sapiens bei den Reptilien erkennen zu können. Aus ihnen entwickelten sich am Ende der Trias, vor ungefähr 200 Millionen Jahren, die ersten Säugetiere, deren Ausmaße und Anzahl gerade im Eozän zu wachsen begannen. Das Hirnvolumen der bisher bekannten Säugetiere aus dem Eozän betrug nur 400-500 cm3 gegenüber dem, schöpferisches Denken ermöglichenden Hirnvolumens von 1500-1700 cm3 des Homo sapiens zu dessen Entwicklung weitere 40 Millionen Jahre notwendig waren.
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Das plötzliche Auftauchen des Homo consumus aus dem Nichts versuchen die meisten Forscher mit der Hypothese vom sogenannten „großen Sprung der Evolution” zu erklären. Andere wiederum meinen, ein solches Evolutionsereignis wäre nicht nötig gewesen, denn - wie sie behaupten - zur Errichtung und Erhaltung einer Zivilisation, wie die des Homo consumus, genügte sogar ein Bruchteil der Hirnkapazität des Homo sapiens. Noch vereinzelter kommt auch die Ansicht vor, die entgegen den geozentrischen Erklärungen die Zivilisation des Homo consumus von einem fremden Stern herleitet, das heißt von humanoiden Wesen, die in der fraglichen Zeit einmal oder mehrmals erschienen waren oder eventuell sich ständig auf der Erde niedergelassen haben. Das im Labyrinth der Budaer Burg ausgestellte Fundmaterial besteht aus 9 sogenannten H.c.-Abdrücken, beziehungsweise Fundensembles. |
Bruchstücke aus dem Material, das das Homo-sapiens-Gedenkkomitee zur Eröffnung der Ausstellung zusammengestellt hat:
„Im Kreislauf der Zivilisationen, immer das gleiche, immer so!”
„Die rein materielle Welt in immateriellen Abdrücken! Höllisches Paradoxon.”
„Während unsere Technik den Himmel erstürmt, haben wir im geistigen Sinne in ein neues Höhlenzeitalter betreten.“
„Die Homo-sapiens-Zivilisation bewegt sich, von nichts zurückgehalten auf das Nichts zu.“
„Die Marktschreier des Weltendes verdecken das Problem nur, denn das Ende einer Welt kommt nicht unbedingt auf spektakuläre Weise, mit Erdrutsch und fest datierbar. Das Nichts kommt unbemerkt und stiehlt uns unsere Welt und unsere Existenz wie ein wiederkehrender, sich einschleichender Dieb.“
„Die Träume des Homo consumus – wenn es sie denn gab – handelten von uns.“



















